wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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Du liebe Zeit, wir leben doch in einer Zeit, in der viele Dinge, die früher noch mit Schwerstarbeit verbunden waren, heutzutage nur noch als Klacks bewältigt werden. Nehmen wir doch nur mal so eine „unbedeutende“ Arbeit, wie das Wäsche waschen. Kein Mensch spricht mehr darüber, denn alles in eine Trommel stopfen und auf den Knopf drücken,  kann jedes Kind. Nach einer Stunde holst du die Sachen blitzsauber raus, schmeißt sie in den Trockner und alles ist geritzt. Doch was uns anfangs so traumhaft toll erstrebenswert erschien, wird schnell zur Selbstverständlichkeit. Kaum jemand wird ein Dankgebet ausstoßen, wenn er die Waschmaschine oder den Geschirrspüler startet. Und doch soll es Menschen geben, die sich in entsprechenden Situationen zu solchen emotionalen Handlungen hinreißen lassen. So passiert in einem ganz normalen Wäschekeller im hessischen Hinterland. Wie immer in Eile, denn ich hatte noch einen wichtigen Termin an diesem Nachmittag, warf ich schnell eine Menge Bettwäsche in die Trommel, ein „Seifenpad“ dazu und Klappe zu.

  Brav wie immer legte das Maschinchen los. Wenn ich ganz ehrlich bin, ich liebe das Geräusch, wenn Waschmaschine, Trockner und auch der Geschirrspüler, leise vor sich hinsummen und klaglos all diese Arbeiten erledigen. Während ich unbeschwert, schreiben, lesen oder telefonieren kann.  Nach einer Weile musste ich aus irgendeinem Grund  noch einmal in den Wäschekeller, oder war es bereits ein mulmiges Gefühl, was mich trug, denn es war so still dort unten. Wahrhaftig nichts rührte sich, denn die ach so gut gefüllte Maschine tat keinen Mucks. Mitten im Waschgang hatte sie wohl den Geist aufgegeben. In meiner Ratlosigkeit, drückte ich auf alle Knöpfe, ich klopfte rüttelte und schimpfte, was natürlich überhaupt nichts nützte. Ungerührt blieb die Maschine stumm. Schließlich griff ich nach der Gebrauchsanweisung und blätterte wie wild in ihr herum. Aber für diese Situation gab es nirgendwo einen Ausweg. Als ich auf den Kaufvertrag schaute, ahnte ich was. Genau vor vier Jahren wurde sie angeschafft. Schon flammte in mir die Gerüchteküche auf, dass man angeblich bereits bei der Produktion  Dinge einbaut, damit so ein Gerät nur die Lebensdauer von vier Jahren hat.

Deshalb dachte ich mit keiner Wimper daran, einen Reparaturdienst anzurufen. Diesbezüglich klangen mir eh noch recht unliebsame Erfahrungen mit anderen Geräten im Ohr: „Wenn wir zu ihnen rauskommen, da muss ein ganzes Steuerungsteil ausgetauscht werden, das wird teurer, als wenn sie etwas Neues kaufen!“  Also krempelte ich die Ärmel hoch und begann die schwere nasse Wäsche in eine Wanne umzuladen. Dieser Vorgang erinnerte mich stark an die Waschtage bei meiner Mutter, wenn die Wäsche aus dem kochenden Wasser in den Waschzuber umgeladen wurde. Waschtag war immer eine düstere Angelegenheit. Es gab Erbsensuppe und Mutter versteckte ihre hübschen blonden Haare unter einem Tuch und sah dann aus wie eine Berliner Trümmerfrau. Auch war ihre Laune an solchem Tag nicht die beste. Na ja, meine befand sich auch auf einem sehr niedrigen Pegel. Tatsächlich hegte ich die Absicht, alles per Hand zu waschen. Wie ich gerade die Hälfte  seifig triefend bewältigt hatte, überfiel mich plötzlich die Idee, mal den Stecker raus zu ziehen. Vielleicht hatte sich das Steuerungsteil nur aufgehängt, so wie es beim Computer oft der Fall ist. Also tat ich: Stecker raus, ein paar Minuten warten und Stecker wieder rein. Wie von Zauberhand leuchteten gleich alle Lichter wieder auf. Das war der Augenblick mit dem Stoßgebet! Seitdem spüre ich stets einen Hauch Dankbarkeit, wenn ich diese Maschine neu befülle!