wöchentliche Kolumne

unser Hund

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Manchmal sagt man leichtfertig, wenn man der Überzeugung ist, dass ein Mitmensch ungeschickt durchs Leben tappt: „Menschenskind, was ne dumme Nuss!“ Wenn Nüsse Ohren hätten, dann würden sie ganz schön damit schlackern und ihrerseits sich darüber wundern, wie “dumm“ solch ein Mensch ist, der solche Sprüche klopft. Denn diese kleine Hartschalenfrucht ist weiß Gott nicht dumm, birgt sie doch ein ganz eigenes Universum in sich. Nicht nur dass aus einem einzigen kleinen Exemplar, nur etwa 2 Zentimeter groß, eines Tages ein Baum mit zehn Metern Höhe und einer Baumkrone von einem Durchmesser etwa sieben Metern, daraus erwächst, so beinhaltet ihr Kern ein komplettes Überlebensprogramm für uns.

Ihr knackiger Kern ist echtes Powerfood, denn  mit ihrem hohen Gehalt an Omega 3 Fetten und reichlich Nährwerten, wie  Eiweiß, Natrium, Kalium, Magnesium, Eisen, Zink und vielem mehr, sorgt sie für eine gesunde Struktur jeder einzelnen Zelle in unserem Körper. Nicht zuletzt, bereichert sie auch das weihnachtliche Naschwerk mit Torten, Kuchen und Keksen. Und gibt es etwas schöneres als abends vor dem Kamin laut hörbar Nüsse zu knacken?  Kurzum, wenn du einen solchen Baum im Garten hast, brauchst du jetzt zu Coronazeiten das Haus nicht mehr zu verlassen, deine Grundernährung ist gesichert. Dachte ich, denn ich bin in der glücklichen Lage solch einen Baum in meinem Garten zu haben. Und wie habe ich mich gefreut, dass in diesem Jahr die Blüten nicht dem Frost zum Opfer fielen und ich einen reichlichen Fruchtansatz verzeichnen konnte. Zudem hat sich dieser Baum auch tapfer durch den trockenen Sommer laviert, da sich auch nicht ein einziges Blättchen etwa gelb oder braun verfärbte. Also konnten wir getrost einer reichlichen Ernte entgegensehen. Doch wie vieles im Leben kommt es meist anders, als man denkt. Eines Morgens wurde ich von intensivem Klopfen geweckt.

Im ersten Augenblick meinte ich, da sei jemand an der Balkontüre. Doch beim näheren Hinhören kam das Geräusch vom Wintergartendach. Eine ziemlich kräftige Krähe hackte immer und immer wieder auf etwas herum. Schließlich rollte, da das Dach ja eine leichte Neigung hat, das begehrte „Ding“ hinunter in die Dachrinne. Daraufhin arbeitete sie mit lautem Gepolter in der „Rinne“ weiter. Doch ohne Erfolg. Deshalb packte sie abermals das begehrte Ding, legte es wieder aufs Dach. Aber der Schwerkraft gehorchend rollte es abermals weg. Diese Prozedur wurde mehrmals wiederholt, hier hätte der Spruch für die Krähe beinahe gut gepasst: „Was eine dumme Nuss!“  Denn ich begriff sehr bald, bei dem rollenden Ding handelte es sich um eine Nuss. Denn als ich meinen Blick zu meinem Nussbaum lenkte, herrschte an diesem Morgen wahrlich Hochbetrieb.

Zwei weitere Krähen, und diverse Elstern flogen ein und aus wie in einem Taubenschlag. Obwohl sie Mühe hatten, sich auf den dünnen Ästen zu halten. Denn leider schwergewichtiger als ein kleiner Spatz, neigten sich die Äste mit der begehrten Nuss abwärts und egal wie man sich auch streckte, die Nuss blieb schwer erreichbar.  Trotz all dieser Schwierigkeiten, kam so mancher der Vögel zum begehrten Ziel und reichlich von den begehrten Früchten fiel dabei zu Boden. So gesehen hätte ich die Vogelschar als wahre Erntehelfer betrachten können,  wenn da nicht zwei emsige Eichhörnchen bereits mit dem Auflesen begonnen hätten. Förmlich im Minutentakt flitzten die beiden zielstrebig mit jedem einzelnen Exemplar quer und längs durch den Garten. So schnell, dass ich mir absolut nicht merken konnte, wo sie die Beute deponierten. 

Als ich beim Baum ankam um vielleicht noch zu retten, was zu retten ist, war weit und breit alles leer.  Nun muss ich „dumme Nuss“ doch in den Supermarkt!