wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Wenn das Wetter auch mehr an den Herbst erinnert, so befinden wir uns doch mitten in der Sommerzeit!

Da wäre ja schon mal hier und da ein Kaffeetrinken unterm Kirschbaum angesagt, oder ein Grillabend, der bis in die Morgendämmerung dauert, weil die Luft so milde ist. Oder wie wäre es mit einer kalten Dusche im Garten und anschließendem Bad in der Sonne, dazu mit einem kühlen Mixgetränk, welches wir genüsslich mit dem Strohhalm schlürfen. Wenn ich das hier schreibe, dann packt mich ganz heftig eine große Sehnsucht nach ein bisschen Sommer. Denn die Realität sieht anders aus! Die Sonnenschirme grün, rot und gelb dämmern stumm und fest zusammengebunden vor sich hin, damit kein Sturm sie eventuell zerfetzt. Zum Kaffeetrinken haben wir uns am Kamin getroffen und das Grill hat, weil es unbedeckt im Regen stand, leichte Roststellen angesetzt. So gesehen ein Zustand, der zu leichter Resignation verführt, doch wie immer im Leben muss man das Beste daraus machen.

Um wenigstens ein paar sommerliche Akzente zu spüren und ein bisschen frische Luft zu schnappen, habe ich mich beinahe trotzig in meinem Strandkorb niedergelassen. Der liebste Mann an meiner Seite, der um mein Wohl bedacht ist, war völlig entsetzt und meinte, das wäre viel zu kalt, ob ich noch ganz gescheit wäre? „Bin ich“, konterte ich schmunzelnd und zog meine Geheimwaffe hinterm Rücken hervor: Eine prallgefüllte Wärmflasche! Dem konnte auch er nichts mehr entgegensetzten. Auf Sylt, der Insel mit den stets frischen Temperaturen wird einem generell in strandnahen Cafe’s zum Kaffee eine Decke plus Wärmflasche und ein ordentlicher Schluck Rum serviert. Den Rum habe ich in meinem Fall weggelassen und mich dafür mehr auf mein Umfeld konzentriert. Dabei habe ich den Duft meiner seit Jahren gehegten Rosen genossen. Das sind eben die zwei Seiten der Medaille, durch den vielen Regen und die leicht gesenkten Temperaturen konnten sich meine Schätze in ihrer ganzen Pracht entfalten.

Im Laufe der Jahre haben sich da ein paar sehenswerte Exemplare angesammelt. Beispielsweise die intensiv rosafarbene „Pink Paradise“, die ich vor zwei Jahren von einer lieben Freundin zum Geburtstag bekam, sie leuchtet weithin durch den Garten und erfüllt die Luft mit einem frischen, leicht nach ein bisschen Mandel und auch Aprikose anmutenden Duft. Ihren Namen hatte ich auch nur deshalb parat, weil immer noch ein Schild an einem der unteren Äste hängt und mir sagt, wer sie halt ist. Den Namen der „Ramplerrose Elizabeth“ konnte ich mir merken, sie strahlt weithin in ihrem leicht cremefarbenen Blütenmeer und steht man unter dieser hellen Pracht, taucht man in ein Meer der Düfte und möchte es auch eigentlich nie mehr verlassen. Allerdings war sie anfangs ein Fehlkauf, denn ich bevorzuge stets intensiv rosafarbene Exemplare. Ihre Blüten waren bei der Pflanzung noch nicht aufgegangen, somit hat sie sich fein eingeschlichen und rankt nun über Zäune und in manchen Baum.

Ihr gilt es Einhalt zu gebieten, sonst brauchen wir bald einen Prinzen, der uns aus den Ranken küsst.  Zudem gibt es auch noch die Bad Nauheimer Rose, ein kräftiger Busch, der die gesamte Terrasse umrahmt. Ich nenne sie so, weil wir sie in Bad Nauheim auf einem Rosenmarkt erstanden haben, trotz der kühlen Wetterlage ist sie sehr kurzlebig und lässt ein Meer von Rosenblättern durch den gesamten Garten flattern. Hier ist ein guter Besen angesagt! Aber gestern nun, hat sich der Sommer mit einem ganz besonderen Geruchserlebnis in Erinnerung gebracht. Wie ein Spürhund habe ich meine Nase in den Wind gesetzt. Immer und immer wieder habe ich geschnuppert und dann wurde mir klar, was da in kleinen Wellen auf mich zu waberte. Es roch nach Grillanzünder und anschließend nach leckeren Röstaromen. Genau, der liebste Mann an meiner Seite hatte heimlich den Rost vom Grill gekratzt, ein paar Würstchen draufgelegt und mich so aus meinem Strandkorb gelockt. Mit einem kleinen Salat dazu, direkt aus dem eigenen Hochbeet, geriet dieser Gaumenschmaus zu einer kleinen Sommersinfonie. Nun gilt es zu hoffen, dass dieser Sommer noch mehr Musik zu bieten hat!