wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist!
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Ist das nicht toll, da liegt so eine schnöde Tastatur vor dir auf dem Schreibtisch, dazu ein Monitor vor der Nase und nur ein kleiner Schnips und schon liegt dir die ganze Welt zu Füßen. Du tippst mal eben „bunte Kleider“ ein und in Sekundenschnelle breitet sich ein riesiges Angebot geblümt, gestreift und getupft vor dir aus. Im nächsten Augenblick möchtest du etwas über den Eiffelturm wissen, tipp, tipp, Nano-Augenblicke später fühlst du dich wie mitten in Paris und kannst die eiserne Pracht von hinten und vorne betrachten, gleichzeitig werden dir noch alle geschichtlichen Einzelheiten darüber serviert.

Um es kurz zu machen, egal was der Mensch wissen möchte oder grad an Schönem begehrt, wird ihm im Internet beschert. Der Mensch jedoch als ausgeprägtes Gewohnheitstier, betrachtet solch bequeme Möglichkeit sehr bald als selbstverständlich. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich, als es darum ging, eventuell ein Elektrorad anzuschaffen, sofort zum Schreibtisch lief, um in der „Zauberkugel“ nachzuforschen. Zauberkugel deshalb, weil in dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ die Mutter von zu Hause aus, ja wie in einer heute üblichen Web-Came, das Leben und Treiben der Töchter tief im Wald beobachten konnte. Wenn man bedenkt, dass diese „Märchen“ zu einer Zeit geschrieben wurden, wo solche technischen Möglichkeiten überhaupt noch nicht im Raume standen, beschleicht mich doch ein seltsames Gefühl…

Also wie ich grad auf den Knopf drücke, um mir die gesamte „Fahrradwelt“ ins Haus zu rufen, passiert unverständlicherweise nix! Das sind Augenblicke hochgradiger Sprach- und Ratlosigkeit.  Du tippst noch mal zart auf die Tastatur, weil du es kaum glauben kannst, aber nichts rührt sich. Da nützt auch kein Pochen und Klopfen der Monitor bleibt schwarz. Schon fühlst du dich verlassen, hilflos, als wärt du von dieser Welt herab gepurzelt. Eben weil man dieses „Nichts“ kaum fassen kann, wird prüfend hinter den Bildschirm geschaut und an sämtlichen Kabeln gerüttelt und die Stromversorgung überprüft. Doch nirgendwo gibt es Fehler zu entdecken. In solchen Augenblicken wird dir erst einmal bewusst, wie abhängig du bereits von diesen Geräten bist. Und ohne dass du es willst, zuckt es in allen Gliedern, denn jetzt auf gleich bist du auf dich selbst und deinen körperlichen Einsatz zurückgeschnurrt.

Mit anderen Worten um das begehrte Fahrrad zu bekommen, müsstest du deinen Po vom Stuhl erheben und von Ort zu Ort fahren, um das gewünschte zu bekommen.  Allein vom Zeitfaktor her bei unserer hetzigen, fetzigen  Lebensweise, kaum noch machbar. Nachdem ich die ersten Schrecksekunden meiner digitalen Hilflosigkeit überwunden hatte und die Tatsache erfasste, dass der Computer wirklich absolut nichts mehr hergab, holte ich tief Luft und rief nach dem liebsten Mann an meiner Seite. Jener leitete wie üblich die Hilfsaktion mit dem Satz ein: “Was hast du denn wieder gemacht!“ Worauf ich wie üblich antwortete „Nichts!“ Doch während mein Computerfachmann das Dilemma versuchte in Ordnung zu bringen, machte ich mir ganz leise Gedanken über mich und musste mir leider einen gewissen Suchtfaktor bescheinigen. Mit diesem Makel bin ich gar nicht so ganz allein und es gibt noch Schlimmeres als mich.

Denn  Melanie, die Tochter einer Freundin weist da ganz andere Symptome auf. Melanies Handy ging neulich zu Bruch, es war einfach aus der Hülle gerutscht und das Display in tausend Scherben am Boden zerschellt. Anschließend lief das Mädchen fassungslos über diesen Verlust  wie ein verlorenes Huhn im Zimmer auf und ab. Im Verlauf des Nachmittags hat dieses arme Wesen andauernd in seine leere Hand gestiert. So weit bin ich noch nicht!