wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist!

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Man konnte es förmlich hören, wie die Bäume, Sträucher, Wiesen aufgeatmet haben, als endlich, erst ganz langsam doch dann ziemlich heftiger Regen vom Himmel fiel.  Als nachts dann noch ein kleines Gewitter mit Donnern, Blitzen und ordentlich prasselndem Regen die Nacht erfüllte, da hätte ich glatt klammheimlich ein Freudentänzchen aufführen können. Also von mir aus, kann es bis Dezember so bleiben. Nachts Regen und am Tag mittlere Temperaturen, mit etwas Sonnenschein. Aber das ist nicht jedermanns Geschmack. Da liegen mir einige Leute gefährlich im Nacken. Beispielsweise Freundin Gisela: In den Tagen, als die Luft feucht und heiß, selbst den härtesten Sonnenanbeter in den Schatten trieb, lechzte jene nach intensiver Kühlung. In ein Schwimmbad zu gehen, fand sie zu zeitaufwendig, da musste man erst Schwimmsachen packen, Brötchen schmieren und sich auf den Weg machen.

Ihr schwebte eine Möglichkeit vor Augen, direkt in unmittelbarer Nähe, wo man eben mal schnell hineinspringt, um dann in Sekundenschnelle frisch und abgekühlt sich wieder an den Schreibtisch setzt. Solche Ideen können heute schnell umgesetzt werden, meint man. Doch hin und wieder klemmt auch die digitale Welt und solch Vorhaben gestaltet sich schleppend. So geschah, dass Gisela, als die Temperaturen um die vierzig Grad herum köchelten, träumend in ihrem Strandkorb schmorte. Die einzige Abkühlung die ihr zur Verfügung stand, erschöpfte sich in einer kleinen Gartendusche, deren Düsen von der letzten Winterlagerung nur noch unregelmäßig durchlässig, für einen spärlichen Strahl sorgten, so als würde ein Elefant unter einem tropfenden Wasserhahn herumspringen.  Also kein voller Erfolg. Doch dann kam der Tag der Erlösung. Ein großes Paket warf seine Schatten voraus. Das heißt, ein Zettel im Briefkasten kündigte an, dass da was bei der Poststelle lagerte, aber am nächsten Tag erst abgeholt werden könnte. Ein völlig normaler Zustand, den ganzen Tag weilte Gisela in ihrem Garten, doch genau in dem Moment als sie einen kleinen Einkauf erledigte, muss die Geschichte angekommen sein. Aber solch ein Gerät in etwa Schrankgröße, ließ sich schlecht mal eben beim Nachbarn abgeben.

Das hieß, noch einen Tag länger von fröhlichem Wassergeplätscher und wonnigen Pooltreiben träumen.  Deshalb gestaltetet sich der drauffolgende Tag als absoluter Freudentag, denn schon in aller Herrgottsfrühe machte man sich auf den Weg, das Paket abzuholen. Um noch einmal die Erinnerung aufzufrischen, das Paket bewegte sich vom Volumen her zwischen Kommode und mittlerem Kleiderschrank und passte kaum in einen normalen Kofferraum.  Also einigte man sich, noch einen Tag länger zu warten und es erneut anliefern zu lassen.  Und genau dieser Tag bescherte Temperaturen, dass selbst die Nilpferde im Zoo nur noch unter Androhung das Wasser verließen. Gisela schwitzte derweil hoffnungsvoll vor sich hin. Und ihre Hoffnung erfüllte sich, denn tatsächlich ruhte der schrankähnliche Klotz bereits kurz vor zwölf am nächsten Tag, also bei absoluter Mittagshitze auf dem Stück Rasen, wo er sich blau und laut plätschernd entfalten sollte.

Entfalten war schnell gesagt, aber ein Gerät mit 4,5o Meter Durchmesser lässt sich nicht wie ein Regenschirm flugs aufspannen. Erst einmal mussten die dazu gelieferten Bodenplatten ausgelegt werden. Solch ein Aufbau mit unzähligen Stangen, Halterungen und diversen   Nippeln ist nicht grad im Handumdrehen erledigt.  Um es kurz zu machen, als die Sonne sich schon langsam zur Ruhe begeben wollte, war das Becken bis zur Hälfte mit sehnsuchtsvollem Nass gefüllt. Gisela sprang hinein, aber auch Sekunden später wieder raus, denn es war empfindlich kalt. Da sich das Wetter seitdem schlagartig änderte, blieb das bis heute ihr einziges Badevergnügen! Da wäre doch ein Schwimmbadbesuch vielleicht einfacher gewesen.