wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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Feste sind wichtig fürs Leben, wichtig für den Gedankenaustausch, das Weitereichen von Nachrichten und miteinander fröhlich sein. Für manchen ist ein Fest sogar die Gelegenheit festzustellen, dass man nicht ganz alleine auf der Welt ist und auch andere Hoch und Tiefs ertragen müssen. Und weil das so ist, wird alles dafür getan, dass sich alle Gäste in Stimmung kommen. Deshalb werden große Buffetts aufgebaut, dazu fließt natürlich Wein, Sekt und Champagner in Strömen. Damit auch der äußere Rahmen stimmt, schmeißt man sich in Schale, wird richtig gezeigt, was der Kleiderschrank hergibt. Und nicht genug stülpt man selbst Tischen und Stühlen Kleidchen, sogenannte Hussen, über. Und wer da meint das wäre genug an festlichem Aufwand, irrt, denn aus einem unerfindlichen Grund wird solch  Anlass nicht nur mit reichlich Blumen sondern auch mit einem Heer von Luftballons geschmückt. „99 Luftballons“, wie von Nena schon einst besungen, in allen Farben, rosa, blau und grün, leuchten dann weithin über Tisch und Bänke. Ich glaube keiner weiß so recht wieso, warum ausgerechnet eine bunte Wolke Luftballons das sein muss?

Vielleicht  signalisiert sie dem Betrachter reine Lebensfreude. Mitunter ist das noch aus Kindertagen in unseren Seelen tief verankert. Wenn ich beispielsweise so zurückdenke, gab es als Kind keine größere Freude, wenn Vater einen bunten Ballon auf der Kirmes spendierte. Tagelang schwebte jener dann an der Zimmerdecke und erinnerte an dieses wunderschöne Erlebnis, mit Zuckerwatte, Achterbahn und gebrannten Mandeln. Das muss es einfach sein, denn warum werden insbesondere zu Geburtstagen, Jubiläen, na ja auch zu Hochzeiten diese bunten Dinger aufgehängt.  Weil das nun mal so ist, habe auch mich dazu hinreißen lassen, ein Fest mit diesen Luftkugeln zu bestücken. Ein Traum von bunten Wolken sollte die Räume schmücken. Doch dieser Traum zog sich sehr schnell zu einem beschwerlichen Tief zusammen. Denn in meiner Planung hatte ich zwar bunt verbrämt gedacht, aber nicht den beschwerlichen Arbeitsprozess bedacht. Schließlich müssen die vielen kleinen Schätzchen auch aufgeblasen werden. Wer sich da rein körperlich betätigen möchte, dem geht bereits bei Ballon Nummer zwölf die Puste aus.

Also wird nach erleichternden technischen Methoden gesucht. In diesem Fall ward dies sehr schnell gefunden, denn da ruhte schon seit Generationen ein Kompressor im Keller, der vielleicht alle fünf Jahre mal in Anspruch genommen wurde. Somit war das Pusten nur noch ein Klacks. Wenn da nicht die Geschichte lauerte, diese aufgepusteten herrlich leuchtenden Exemplare auch noch zuzuknoten. Hier ist reine Handarbeit gefragt. Das heißt der untere Zipfel muss recht langegezogen, dann über den Zeigefinger gelegt werden und schliesslich der Nippel durch die Lasche durch. Schon beim Lesen verknoten sich bei mir sämtliche Finger. Ich muss hier nicht beschreiben, wie sehr es da beim einhundertfünzigsten Ballon bereits in den Fingerspitzen puckerte. Um nun wirklich mit den Ballons zu glänzen, mussten noch eine Menge aufgepustet und genknotet werden. Ich kann nur jedem empfehlen beim nächsten Fest sich auf Konfetti und Luftschlangen zu beschränken, das ist weitaus bequemer!