wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Auch wenn man nicht mehr ganz im Berufsleben steht, ist der Terminkalender mitunter ganz schön voll.

Dass dies so ist wurde grad in dem Moment deutlich, als Freundin Gisela meinte, es wäre nun wirklich mal an der Zeit, sich zu einem Kaffeenachmittag zu treffen, insbesondere bevor uns die nächste Coronawelle überrollt. Zu diesem Zweck der Verabredung griffen wir beide nach dem Terminkalender. Und schon ging’s los, ähnlich wie Tischtennisbälle spielten wir die einzelnen Tage übers Netz. Von Frisör- Manikür- und Physiotherapie-Terminen einmal abgesehen handelte es sich zum größten Teil um Arzttermine aller Fachrichtungen.

Nach langem Hin und Her fand sich schließlich ein Datum für besagten Kaffeenachmittag. Doch kaum hatte ich den Hörer  aufgelegt musste ich feststellen ich hatte mich geirrt, genau auf den Tag fiel ein Zahnarzttermin, hatte ihn nur noch nicht vom mitgebrachten Zettel übertragen. Eine spontane Handlung meines Unterbewusstseins. Denn Zahnarzttermine sind mir ein Graus. Und das nicht nur, weil ich, die ich gerne rede, mal nicht zu Worte komme. Wie denn auch, wenn eine laut blubbernde Speichelsonde in deinem linken Mundwinkel hängt und diverse Bohr- und Schleifgeräte den gesamten Mundraum zum Beben bringen.

Kaum zu beschreiben welches Höchstmaß es an Beherrschung kostet, wenn grad in dieser hochbrisanten Phase die Nase einen Reiz verspürt. Hatschiiii und alle Kronen fliegen durch den Saal, dies möchte man nicht riskieren. Also ist volle Panik der Verdrängung angesagt mit  Mund auf, Augen zu und kräftig die Hände um den Sitz geklammert. Wenn es dann heißt: “Sie dürfen jetzt den Mund ausspülen“, fühlst du dich wie aus einer Fesselung befreit. In solch einem Moment stört es dich auch kaum, dass dir wegen der Betäubung total die Unterlippe fehlt und du beim Spülen tüchtig sabberst. Ist solch strapaziöse Sitzung endlich vorbei, möchtest du die ganze Welt umarmen und dich kulinarisch voll beglücken.

Doch das geht leider nicht, weil man dir zum Abschied freundlich auferlegte: „Bitte jetzt zwei Stunden nichts essen und nichts trinken.“ Eben aus allen diesen Gründen sind Zahnarzterlebnisse im Ranking ganz tief unten und deshalb mache ich um solche Praxen einen großen Bogen.  Ganz anders sieht die Sache allerdings aus, wenn eines der zweiunddreißig Beißerchen große Pein bereitet und du dir verzweifelt die Nacht um die Ohren schlägst, weil es im Kopf tüchtig schmerzt und klopft.  

Wenn das auch noch am Wochenende passiert, wünschst du nichts sehnlicher, als den gesamten Sonntag in jener Praxis zu verbringen.  Du sehnst dich förmlich nach einem Eingriff und flehst darum diesen Stuhl zu erklimmen. Auch ist dir egal mit welcher Gerätschaft man in deinem Mund hantiert, es zählt nur eins, dass er vergeht der elende Schmerz! Kurzum egal von welcher Seite man es recht betrachtet, ein Besuch beim Zahnarzt ist nicht gerade angenehm! Deshalb habe ich nicht noch mal bei Gisela angerufen, sondern in besagter Praxis und ehrlich gesagt, unter fadenscheinigen Gründen den Termin, ein ganzes Stück nach hinten verschoben.  Ich glaube ich habe mir irgendetwas vom  wichtigen  Geburtstag einer  hundertjährigen Tante in den Bart gemurmelt!

Foto von Linda Wiegand