wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Obwohl jeder froh sein kann, wenn er sich bester Gesundheit erfreut, zerrt doch dieser Zustand der nicht enden wollenden Einschränkungen an manchen Nerven. Ganz besonders, wenn man ganz plötzlich mitten aus der Arbeit in Quarantäne geschickt wird, weil eine Kollegin an dem Virus erkrankt ist und  man eng mit ihr zusammen gearbeitet hat. So wie es grad einer lieben Freundin passierte. Mitten in der laufenden Arbeit bekam sie einen Anruf und musste sich vom Fleck weg nach Hause begeben.

Als ich mit ihr telefonierte, hatte ich alle Mühe sie emotional aufzurichten, denn sie steckte in einem Zustand absoluter Verzweiflung. Mit Engelszungen sprach ich auf sie ein, um ihr klar zu machen, dass es doch weithin Schlimmeres gäbe, denn immerhin sei ihr Schnelltest schon mal negativ. „Du hast ja Recht“, meinte sie schon leicht besänftigt, „ich will auch gar nicht jammern. Im ersten Moment dachte ich sogar prima, mein Knie macht mir eh seit langer Zeit Beschwerden, da kann ich mich mal ausruhen!

Doch im nächsten Moment trieb es mir den puren Angstschweiß auf die Stirn, was wenn ich mich wirklich angesteckt habe!? Du hörst zwar  täglich die erschreckenden Nachrichten, siehst die spektakulären Bilder von den Intensivstationen im Fernsehen, trotzdem bleibt es gedanklich weit weg. Doch plötzlich schwebt es neben dir das Virus, tippt an deine Schulter! Das ist ein völlig neues Gefühl, was erst eingeordnet werden will.

Ganz zu schweigen von der Anordnung in Quarantäne zu gehen, denn das heißt konstant im Haus bleiben, nicht mal kurz in den Supermarkt huschen können, heißt auch nicht mit den Hunden spazieren gehen! Ganz ehrlich Tag eins und zwei fand ich das alles noch ersprießlich. Auch Tag drei konnte mir nicht viel anhaben, denn ich erledigte diverse handwerkliche Dinge, die schon lange auf dem Plan standen. Tag vier gestaltete sich schon nicht mehr ganz so prickelnd, weil ich deutlich spürte, dass all die Verbindungen mit „Whats-App“, „Facebook“, „Skype“ und wie die digitalen Möglichkeiten noch so alle heißen, in keiner Hinsicht den realen menschlichen Kontakt ersetzen.

Deshalb fühlte ich mich bereits am fünften Tag kurz vor dem Lagerkoller und es kochte das überaus große Bedürfnis in mir auf, mich mal nach Strich und Faden auszuheulen. Was ich dann auch ausgiebig tat! Doch da kannst du noch so kräftig weinen und ins Taschentuch schnäuzen, es wischt die Problematik nicht vom Tisch. Also richtete ich mich am Tag sechs wieder auf und machte mir selber Mut, denn genaugenommen hatte ich keinerlei Grund mich dermaßen zu echauffieren, fehlte mir es doch an nichts!

Ich hatte reichlich zu essen, zu trinken, war noch bei guter Gesundheit und wenn ich mal frische Luft brauchte, konnte ich mich im Garten tummeln. Wobei an diesen Tagen bei eisigem Wind und ständigem Schneegestöber, mir kaum nach draußen Tummeln war. Also kuschelte ich mich aufs Sofa und schaute bei „Netflix“ die Filme rauf und runter. Dabei naschte ich ordentlich Kekse und Schokolade, sodass der Hosenbund langsam enger wurde.

Tja und wie ich mich da von meinem „Netflixlager“ mal erhebe, um aufs Klo zu gehen, sehe ich mich im Vorübergehen im Spiegel und kriege einen Schreck. Im ersten Augenblick dachte ich, da steht „Karl Napp“, denn da sehe ich eine ungeschminkte, strubbelige Person in einer völlig ausgeleierten Jogginghose mit bekleckertem T-Shirt, die sich auf grob gestrickten Socken vorüber schleichen will. Da kann man mal sehen, wie schnell sich ein Mensch verändern kann, wenn er so plötzlich aus der Bahn geworfen wird.  Weißt du ich habe gar nicht gewusst wie sehr ich meinen Beruf, meine Arbeit liebe, denn zur Zeit wünsche ich mir nichts sehnlicher als morgens aufzustehen, in Eile meinen Kaffee runterzukippen und im Eiltempo auf die Arbeit zu kommen!“ Sie seufzte ganz tief  und meinte, „danke, dass ich mal bei dir mein Herz ausschütten konnte!“