wöchentliche Kolumne

unser Hund

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Würde heute ein Institut für Meinungsforschung Umfragen  nach den Wünschen für das Neue Jahr starten, wäre man schnell fertig. Denn in Anbetracht der letzten Einschränkungsmonate sank der Pegel für „Ansprüche“ rapide, deshalb hieße die Antwort bei neunzig Prozent der Befragten lediglich: „Gesund bleiben!“ Auch die guten Vorsätze, die am Anfang des Jahres stets beschworen werden, sind mit der Antwort,  „mehr Bewegung“, knapp gefasst. „Lockdown“, „Shutdown“ und andere Maßnahmen ließen uns steif und unbeweglich werden. Nutzte doch mancher diese unfreiwillige Freizeit in aller Gemütlichkeit, um reichlich Filme auf dem Sofa zu konsumieren. Wenn sich dazu noch tütenweise Chips gesellten, ist das Dilemma perfekt! Die Waage springt aus allen Fugen, der Hosenbund kneift beträchtlich und allein  Socken anziehen mausert sich unter mächtigem Gestöhne zum absoluten Kraftakt. Schließlich fühlt man sich wie das „Michelinmännchen“, denn bei jeder Bewegung knirschen und knacken die Gelenke.

Genau an solchem Punkt waren wir angekommen, deshalb gelobten wir: „Im Neuen Jahr wird sich mehr bewegt!“ So etwas ist  leichter gesagt, als getan, besonders, wenn alle Fitnessstudios geschlossen sind. Deshalb stellten wir einen ganz eigenen „Familientrainingsplan“ auf. Dazu wurde eine große Tabelle angefertigt, mit Datum  und mehreren Kategorien der körperlichen Ertüchtigung. Also stand dann beispielsweise links am Rand: Montag, Dienstag usw.! Oben drüber  dazu eine saubere Einteilung wie: Laufband, Hometrainer, Hanteltraining und         Waldwanderung. In dem entsprechenden Kästchen bietet sich dann die Gelegenheit ein Kreuzchen zu machen, darüber was am Tag geschafft wird. Zwei Listen wurden angefertigt eine für mich und eine für den liebsten Mann an meiner Seite. Selten waren wir uns derart einig über den Umfang und daß auf jeden Fall am ersten Tag des Jahres damit begonnen werden müsse!

Ich schreibe hier sehr wohl: „müsse“. Denn um ganz ehrlich zu sein, am Neujahrstag baumelte jene Liste an der Wand  erst einmal einsam vor sich hin. Wir waren uns einig, es wäre schließlich „Sonntag“ und man sollte auch nicht gleich übertreiben. Tag zwei und drei sahen ähnlich aus, lediglich am  vierten Tag  schafften wir ein paar zarte Runden auf dem Hometrainer und fünf Minuten auf dem Laufband, dazu nachmittags einen kleinen Waldspaziergang. Sauwohl fühlten wir uns danach und stellten glücklich fest: “Na geht doch!“ Tatsächlich zogen wir bis Tag zehn dieses „Mammutprogramm“ durch, steigerten die Zeit auf dem Laufband sogar auf zehn Minuten. Insgeheim sah ich mich schon beim Seniorenmarathon gestrandeter Schriftsteller durchs Siegertor laufen.  Tag elf bot einen Höhepunkt, denn angestachelt durch sportliche Visionen, liefen wir beim Wandern sechs Kilometer, absolvierten zusätzlich noch etliche Minuten auf dem Laufband und wirbelten anschließend noch mit den Hanteln herum.

Das war natürlich zuviel, mit dem Erfolg, dass wir am Tag zwölf mit schrecklichem Muskelkater daniederlagen. Deshalb wurde in den letzten Tagen das „Hometraining“ weggelassen und sich nur noch auf die Waldwanderung konzentriert. Mit rot gefrorenem Näschen und so richtig von den Naturgewalten durchgepustet, stürzen wir uns danach zu Hause angekommen auf den herrlich heißen Kaffee.   Dazu rappeln wir uns nun tagtäglich auf und machen stolz wenigstens ein Kreuzchen auf der Liste!