wöchentliche Kolumne

unser Hund

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Ich gestehe, mit  manchem hinke ich immer etwas hinterher, während der Rest der Welt, die Dinge schon als Schnee von gestern sieht. Da wurde bereits  „getwittert“, was das Zeug hielt, in „Facebook“ alle Mittagessen fotografisch weitergeleitet und bei „What´s App“ von früh bis spät sämtliche Selenzustände an Bekannte und Verwandte in den Status gestellt, während ich friedlich mit meinem steinalten Handy  nur brav telefonierte. Ähnlich erging es mir in letzter Zeit mit der intensiven Reklame für den „Black-Friday“. Habe die Euphorie und wie doll wir uns drauf freuen sollen, überhaupt nicht verstanden.

Denn der „Schwarze Freitag“ war mir nur als düsteres,  geschichtliches Ereignis vom Oktober 1929 in Erinnerung, als an der New Yorker Börse innerhalb eines Tages die Kurse von ganz oben bis in den Keller sanken. Da stürzte manche Aktie im Wert von 125 Dollar auf simple zwei Dollar ab, für viele Anleger der blanke Wahnsinn. Ein Heer von verzweifelten Menschen stürmte die Banken in der Wallstreet, um zu retten, was zu retten ist. Die Polizei musste die Straßen sperren, damit diese Tumulte nicht eskalierten. Ganze 25 Jahre hat die Weltwirtschaft anschließend gebraucht, sich von diesem Schock zu erholen.

Nun sollte auf einmal dieser „Schwarze Freitag“ absolute Freude bringen? Erst nach näherem Hinsehen und insbesondere beim gründlichen Studium der überdimensionalen Anzeigen in unserer Zeitung, hat sogar mich dieser „Black-Friday“ plötzlich erwärmen können. Kein Wunder, wenn da von 50 bis 90 Prozent Rabatt auf Waren aller Art gesprochen wird. Da läuft jede Schnäppchenseele heiß! Und tatsächlich gab es Angebote, an denen man nicht vorbeisehen konnte. Beispielsweise eine Kaffeemaschine von einer heißbegehrten Firma, sonst 1200,- Euro, konnte man nun für schlappe 399,- Euro erwerben. Leider kam das für uns nicht infrage, denn wir besitzen eine intakte Maschine! Schließlich lockte eine Firma, mit herrlichen Anoraks, von denen wir schon lange träumten, doch da sehr hochpreisig, wir es immer dabei beließen, mit 50 Prozent Rabatt!

Es handelt sich dabei um ganz besondere Jacken, die sich zwar federleicht anfühlen, aber jeden Überlebenskampf in der Antarktis garantieren. Nach dem Motto, der nächste Winter kommt bestimmt wurde gleich, jetzt für den halben Preis,  bestellt. Welche Freude, als das Paket ankam. Und obwohl sich die Temperaturen in Grenzen hielten, schlüpften wir natürlich sofort in die dicken Jacken hinein. Das heißt der liebste Mann an meiner Seite  glänzte Sekunden später in dem begehrten „Anputz“  und ward wirklich hübsch anzusehen!  Nur bei mir gestaltete sich das mit der Schlüpferei  etwas schwieriger. Allein mich in die wirklich schmalen Ärmel zu zwängen, beinhaltete schon einen mittleren Kraftakt. Endlich geschafft, konnte ich meine Hände kaum wiederfinden, denn sie verschwanden in den  zu langen Röhren. Doch was dort an Stoff zu viel herunterhing, fehlte im vorderen Bereich der Jacke. Da half kein Ziehen, Drücken, Zerren, in der Brust-Bauch-Region klaffte  ein gut zehn Zentimeter breiter Spalt.

Aber so schnell gab ich nicht auf, immerhin tobte heißes Begehren, endlich solche Jacke zu besitzen, in mir. Ich kam mir vor wie die Stiefschwester beim Aschenputtel. Also stellte ich ab sofort die Atmung ein, spannte die Bauchmuskeln mit aller Kraft nach innen und zog die Schultern hoch. Kurz vor der Ohmacht gab ich auf! Denn egal wie ich mich, selbst mit Unterstürzung des Liebsten an meiner Seite, auch mühte, ich passte einfach nicht rein! In eine größere Nummer umzutauchen, war leider unmöglich. „Wegen der günstigen Preise“, meinte die Dame am Telefon, „sind alle diese Jacken bereits ausverkauft!“ Da erst wurde mir klar, welcher Beliebtheit sich dieser „Black Friday“ im ganzen Land erfreut. Wie am Anfang schon bemerkt, ich hinke eben immer etwas hinterher!