wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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Die Zeit galoppiert förmlich über uns hinweg. Kaum kann man sich an gestern erinnern, geschweige was vor einer Woche geschah und die liebe, gute alte Zeit wo die Dinge noch einfach zu verstehen, noch greifbar waren, ist uns bereits völlig entglitten. Wobei ich jetzt keineswegs bis auf die Zeit der Postkutschen zurückgreifen möchte. Mir reicht schon die Erinnerung an unseren guten alten Anrufbeantworter in Kombination mit einem Faxgerät. Dabei handelte es sich um einen schönen großen, handlichen Kasten, wo vorne das Schriftstück eingegeben wurde und schon war sie auf dem Weg, die Nachricht. Die ankommenden Faxe konnte man nicht übersehen, sie hingen in Form einer langen weißen Papierfahne „hinnerwärts“ am Gerät herab.  Was den Anrufbeantworter anbelangte,  gab es einen großen Knopf, den drückte man und schon ertönte eine Nachricht nach der anderen. Vielleicht war da noch ein zweiter Knopf, um alte Nachrichten zu löschen. Jedenfalls gab es kein Display, keine komplizierten Kombinationen, es war wie gesagt übersichtlich, für jeden leicht zu handhaben.  Doch irgendwann meinte der liebste Mann an meiner Seite, gäbe es die Möglichkeit Kosten zu sparen, denn die Papierrollen für das Faxgerät  seien zu teuer, für all die ungewollte Werbung, mit der das Faxgerät vollgemüllt wurde. Also eh ich mich versah, war der Tisch leer und Platz für einen großen Blumentopf im Büro.

Im ersten Augenblick konnte ich mich sogar an diesem Verschönerungsprozess erfreuen, obwohl ich in alter Gewohnheit mehrfach auf den Blumentopf zulief, um Nachrichten abzuhören. Als Ersatz für die aufgesprochenen Nachrichten dient jetzt ein kleines handliches Telefon, in der Größe einer Fernbedienung  und die Faxe werden elektronisch mit dem Computer versandt und kommen auch so an. Für mich still und heimlich, denn ich gucke nicht alle paar Minuten in den Computer.  Mag ja alles auf dem neuesten Stand sein. Aber der besagte mobile, fortschrittliche Anrufbeantworter fliegt natürlich, wie alle anderen Telefone auch, mal hier und da im Haus herum und blinkt dann still mit seinem kleinen roten Lämpchen in der Sofaecke vor sich hin! Deshalb passiert es mehr als einmal, dass ich bei irgendwelchen Anfragen  die Antwort bekomme, „dass habe ich ihnen doch schon gestern auf den Anrufbeantworter gesprochen!“  Da ist es kein Wunder, dass einem dann seltsame Sachen passieren, so wie vor ein paar Tagen. Eine Freundin hatte zum Geburtstagskaffee eingeladen. Ich hatte mich sehr auf dieses Treffen gefreut, denn das Ganze fand im fernen Ruhrgebiet statt. Eine ziemliche Weile hatte man sich nicht gesehen. Verständlich, dass ich den gesamten Kleiderschrank bemühte, um mich ordentlich herauszuputzen. Auch im Badezimmer verbrachte ich länger als sonst üblich. Als ich endlich loszog, meinte der liebste Mann an meiner Seite, ich sähe zehn Jahre jünger aus.

Dieses war auch mein Ziel!  Denn bekanntlich wollen wir zwar alle alt werden, aber keiner will alt aussehen! So ausgestattet, fuhr ich fröhlich diesem Unternehmen entgegen. Allerdings dort angekommen, wunderte ich mich schon, dass weit und breit kein Auto vor der Tür parkte. Und meine Verwunderung steigerte sich beträchtlich als ich erwartungsvoll vor der Haustüre mit meinem duftenden Blumenstrauss verweilte und mir niemand, auch nach mehrmaligem Klingeln, öffnete. Ich trat ein paar Schritte zurück schaute am Haus empor, aber niemand schaute aus dem Fenster, alles blieb stumm. In solchen Augenblicken, fühlt man sich wahrlich nicht gut. Irgendwas musste ich falsch verstanden haben. Oder…? Gottlob hatte ich mein Handy mitgenommen, was auch nicht immer der Fall ist. Ich rief  zu Hause an. Nun da bekam ich es knüppeldick, denn zufällig hatte man grad den Anrufbeantworter abgehört. „Meine Liebe hättest du ordnungsgemäß deine Nachrichten kontrolliert, dann wüsstest du, dass die Herrschaften verreist sind und die Feier findet eine Woche später statt!“ 

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