wöchentliche Kolumne

Lesen, Lachen und gute Gedanken machen!

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Wohl dem, der zur Zeit einen Garten hat. Denn je länger man darüber nachdenkt, um so deutlicher wird, wie sehr dieser Coronazustand das Leben bestimmt. Denn unsere gesamte Handlungsweise dem Tagesablauf gegenüber, hat sich doch deutlich verändert. Wenn beispielsweise jemand ganz locker zum Kaffeenachmittag einlädt,  sagst du   nicht gleich fröhlich, „hallo, das ist aber schön, wir kommen!“ Da schiebt man erst mal kleine Vorbehalte ins Gespräch. „Danke für die Einladung, aber wir müssen mal schauen, wie sich die nächste Woche terminlich gestaltet, ich glaube da gibt es einen Arzttermin in Marburg, somit ist ein Tag dann schon rum. Wir melden uns wieder!“

Mit anderen Worten wir reden sauber, doch verbindlich um den Brei herum. In Wirklichkeit tasten die hinteren Hirnwinden ab, ob die Dame zu vielen Besuchern neigt und hoffentlich nicht jemand dabei ist, der aus einem Krisengebiet stammt, oder, oder, oder! Ja am liebsten würden wir fragen, hast du einen Test machen lassen und wer kommt bei dir alles zu Besuch? Denn bekanntlich braucht es nicht einmal eine Massenansammlung. Die Tochter einer Freundin hat sich lediglich mit einer Schulfreundin, die zur Zeit in England lebt getroffen, die Freundin selbst wusste nicht einmal, dass sie infiziert ist, blieb auch ohne Symptome.

Aber die Tochter der Freundin  ist schwer erkrankt und hat auch noch ihren Mann angesteckt usw. Mit anderen Worten ein schreckliches Szenario, nur weil man sich mal wiedersehen wollte und eigentlich keine Bedenken hatte. Wenn man solche Geschichten hört, dann wird die Entscheidung für ein solches Kaffeetrinken zum Menetekel. Dabei kitzelt die Sehnsucht nach ein bisschen mehr Miteinander die Seele und man schätzt in solchen Momenten rückblickend die Freiheit, die wir hatten! Dabei kann man nur sagen, wenn wir sonst keine Sorgen haben, dann haben wir keine. Aber ich fühlte mich nicht wohl, mit solch vagen Versprechungen meine Kaffeetante abgespeist zu haben. Deshalb drehte ich erst einmal eine Runde durch den Garten. Allein die Tatsache, dass das für mich jederzeit möglich ist, hat mich schon zu großer Dankbarkeit veranlasst. Denn da hätte mancher ganz andere Dinge zu beklagen! Also erfreute ich mich an meinen vielen Blumen und ganz besonders an den Seerosen im Teich.

Doch plötzlich traute ich meinen Augen kaum, da hingen überall an den grünen lanzenartigen Blättern der Wasserlilie jede  Menge Libellenlarven.  Welch ein Zufall, denn mitunter vier Jahre leben die Larven vom Augenblick ihrer Eiablage  auf dem Grund des Teiches, um dann zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt und alle auf einmal aus dem Wasser zu krabbeln und der wurde mir grad beschert. Sie sind zwar nicht besonders schön mit ihrem bräunlichen Körper und den vier langen Beinen, mit denen sie die Blätter umklammern. Aber wenn man ein bisschen Geduld hat, kann man innerhalb von drei Stunden einen Entwicklungsprozess beobachten, der sich wie ein kleines Wunder gestaltet. Denn Millimeter für Millimeter platzt die Haut der Larve auf und ebenso langsam entpuppt sich daraus eine herrlich grüne Gestalt mit langen  filigranen Flügeln.

Und irgendwann, wenn die frisch entfalteten Flügel getrocknet sind, schwirrt dies neue Leben einfach auf und davon.  Darüber war ich ein bisschen enttäuscht, Obwohl sie viele  Jahre hier im Teich geschlummert hatten, ist keine von ihnen geblieben. Mir darüber weiter Gedanken zu machen, blieb keine Zeit. Das Telefon klingelte, ich rannte ins Haus.   Es war die Kaffeetante: „Hallo, gut das ich dich so schnell erreiche, aber ich muss meine Einladung erst einmal stornieren, denn terminlich hat sich jetzt etwas bei uns ergeben. Aber es ist ja nicht aufgehoben, es wird nur um eine Woche verschoben!“ Ich war der Dame direkt dankbar, denn so hatte auch ich eine Woche länger Zeit zu überlegen!