wöchentliche Kolumne

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Am Aschermittwoch ist alles vorbei heißt es, doch in diesem Jahr war  nicht viel mit Helau, Alaaf und Trallala. Es mutete schon ein bisschen merkwürdig an als, wie in Köln geschehen, ein paar bunt gekleidete Narren mit einem Kasten Bier im Bollerwagen durch die leeren Straßen zogen, doch ohne Kamelle. Auch die diversen Veranstaltungen im Fernsehen vor einem stark ausgedünnten, oder nur  imaginärem Publikum aus Pappe, brachten kaum fröhlich, losgelöste Stimmung. Aber vielleicht grad deshalb, weil man sich diesbezüglich nicht recht austoben konnte, stürzt sich jetzt mancher voll und ganz in die nun folgende Fastenzeit.

Denn die lässt sich ja durchführen, still im Kämmerlein mit sogar weniger als drei Personen. Egal wie man diese acht Wochen der Enthaltsamkeit auch gestaltet, es ist ein schwerer Kampf gegen den inneren Schweinehund der Gewohnheit und der Gelüste unterschiedlichster Art. Der liebste Mann an meiner Seite und meine Wenigkeit fassten, nach einem kritischen Blick in den Spiegel, den Entschluss, die sogenannten Coronaringe, die sich besonders  in der Hüft- und Gürtellinie angesetzt hatten, mal ein bisschen auszudünnen. Der neueste Hit, dies zu erreichen, soll ja das sogenannte „Intervall-Fasten“ sein.

Das heißt acht Stunden darf man etwas essen und sechzehn Stunden gibt es keinerlei Nahrung.  Eigentlich ein ganz einfaches Prinzip, denn die Zeiten der Entbehrung werden dabei stark in die Nacht verlegt. Sechzehn Stunden herrscht dann beispielsweise,  von abends neunzehn Uhr bis elf Uhr vormittags, Ruhe im Verdauungstrakt.  Eine wirklich gute Sache, denn wer schläft, sündigt nicht!  Aber wie immer klingt das einfacher, als es ist. Denn kaum ein Mensch geht bereits um neunzehn Uhr zu Bett. Und wie ein jeder weiß, beginnt die sogenannte Schnöcker- oder Naschphase in einem normalen deutschen Haushalt, wo Schokoladenriegel und Chipstüten die Runde machen, ausgerechnet zu dieser Vorabendkrimizeit: „Hubert und Staller“, „Morden im Norden“, „Soko Wien“ und wie sie alle heißen.

Da sitzen jene Herrschaften, zwar vor dem Fernseher, können sich aber auf keinerlei Handlungsablauf konzentrieren, weil die edle Fastenseele das köstliche Rascheln der Chipstüten vermisst. Doch da man einander den Fasteneid geleistet hat, bleibt alle Welt tapfer  auf dem Sofa sitzen. Nicht zu beschreiben wie es da bis in die Fingerspitzen juckt, einfach aufzuspringen und nur mal nach einem winzigen kleinen Schokoladenriegel zu greifen. So steigert sich im Verlauf des Abends der Gedanke an irgendeine kleine Nascherei fast bis zur Folter. Dabei war es erst mal schlappe einundzwanzig Uhr. Doch so schnell gibt niemand auf und eh wir uns versahen, befanden wir uns in einer spektakulären „Hom-Observation“.

Denn als der liebste Mann an meiner Seite sich etwa gegen 21.30 aus seinem Sessel erhob und anstrebte das Wohnzimmer zu verlassen, stellte ich doch glatt die Frage: “Wo willst du hin?“ Was den liebsten Mann in fragwürdiges Erstaunen versetzte, „ich hole mir ein Glas Wasser!?“ Nun der Verdacht lag nahe, dass ihm, wie mir, der Naschkram fehlte. Sechzehn Stunden sind eine lange Strecke und wir hatten mal grad drei davon hinter uns. Was mich anbelangte kribbelte es mir in allen Gliedern. Zudem wurde es immer offensichtlicher, dass wir einander belauerten, der CIA hätte seine Freude an uns gehabt. Auch die nächtlichen Stunden wurden von diesem Lauerzustand nicht ausgenommen. Denn als ich mal gegen 2 Uhr ganz harmlos in die Küche schlich, um einen Schluck kalten Tee zu trinken, stand der liebste Mann sekundenschnell wie ein Bodygard hinter mir. Wenn das in unserem Haus so weiter geht, müssen in Römershausen bald die Gullydeckel zugedeckt werden, damit wir nicht mit unseren schlanken Taillen da hineinrutschen.