wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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Bequemlichkeit ist ein pikantes Lebensziel das weitverbreitet in unserer Gesellschaft zu Situationen führt, die fürchterlich nach hinten losgehen können. Eben weil wir diese Bequemlichkeiten gnadenlos in Anspruch genommen haben, droht jetzt das Klima zusammenzubrechen.  Aber nicht nur das unsere  Umwelt leidet, wir selbst  schonen unseren Körper wo es nur geht und irgendwann antwortet er dann, der Rücken, die Beine, die Füße! Denn wie heißt es so schön: „wer rastet der rostet!“  Eine alte Weisheit, die sich leider immer wieder auf’s neue bewahrheitet.  Tja und dann werden die kleinen täglichen Bemühungen zur Qual. Denn in dem Moment, wo wir zweimal auf der Kellertreppe stehen bleiben und uns mühsam am Geländer hochziehen müssen, hat er sich irgendwo angesetzt der Rost. Ganz schlimm wird es, wenn wir auch wegen der angesetzten Röllchen im Taillenbereich, nicht mehr so flott in die Socken schlüpfen können.

An solch einem Punkt angekommen, wird es höchste Zeit darüber nachzudenken, ob wir uns noch tiefer ins Sofa lümmeln oder wirklich etwas an diesem Zustand ändern wollen.  Ich hatte mich für „ändern“ entschieden und mich bei einem „Fittness-Center“  angemeldet. Der liebste Mann an meiner Seite hat das nicht ganz verstanden, wo wir doch einen Hometrainer und ein Laufband jederzeit einsatzbereit im Keller stehen haben. Ja haben wir, aber der Ausredenkatalog diesbezüglich würde ganze Seiten füllen: „…im Augenblick nicht, jetzt ist es mir im Keller zu kalt, heute zu heiß, ich muss erst mal die Küche machen, jetzt das Essen kochen, und jetzt bin ich zu müde usw. … “ Denn dieser verflixte innere Schweinehund lässt sich ohne Aufsicht daheim, einfach zu leicht überreden. Und wirklich, jetzt unter Aufsicht, klappt es mit dem Training um Welten besser, wenn ich es schaffe hinzugehen! Doch seitdem ich gemerkt habe, wie gut mir diese Bewegung zweimal wöchentlich tut, beginnt in mir ein zartes Suchtgefühl aufzukeimen. Denn es gibt nichts Schöneres als nach absolvierten zwei Geräte-Runden, sich mit der Massagebank zu belohnen, die von den Fußspitzen bis in den Nacken den Körper rauf und runtertrommelt. Aber das hört sich so leicht an: „zwei Geräterunden“, das muss man erst mal schaffen. Denn Dank ihrer Anordnung wird die Muskulatur des gesamten Körpers nach und nach angesprochen.  

Bei den ersten drei Geräten wird der Schulter-Rücken-Bereich trainiert. Anschließend geht es zum Ausruhen auf das „Fahrrad“. Also ich ruhe mich darauf aus, indem ich in gemütlichem Tempo vor mich hintrete. Bei diversen Mitstreitern, die ich dabei beobachten konnte, bricht förmlich wahre „Tour de France“ Stimmung aus, indem sie schweißtriefend wie wild auf der Stelle strampeln. Aber es gibt auch welche, die treten lässig vor sich hin und schauen dabei ins Handy, lesen ein Buch oder telefonieren. Also ich genieße es, mich in diesen Momenten mal richtig auf meinen Köper zu konzentrieren, damit das Training auch bei den richtigen Muskeln ankommt. Danach geht es weiter mit gezieltem Armtraining und anschließend auf den sogenannten „Crosstrainer“, ein Bewegungsgerät, was gleichermaßen Arme und Beine in Anspruch nimmt. Es ist sozusagen das letzte Gerät in der Runde, auf welches ich am Ende meiner zweiten Runde nur noch mit letzter Kraft hinaufkrabbele. Lediglich auf läppische vier Minuten ist dieses Gerät für mich eingestellt.

Nach zwei Minuten möchte ich allerdings, für mein Gefühl völlig entkräftet, gleich wieder runterspringen. Doch da packt dann auch mich der Ehrgeiz und ich fordere mich selbst zum Durchhalten auf. „Noch läppische zwei Minuten und du liegst auf der Massageliege“, feuere ich mich selber an. Aber wenn sonst zwei Minuten wie im Flug vergehen, hier werden die Sekunden zäh, wie die Ewigkeit. Doch habe ich es endlich geschafft, dann springe ich wie ein junges Fohlen vom „Crosstrainer“, werfe lässig mein schweißnassen Handtuch über die Schulter und laufe gazellenähnlich in Richtung Massageliege.  Dort angekommen fühle ich mich wie im siebten Himmel und bin wahnsinnig stolz auf mich, dass ich so tapfer gegen den „Rost“ angekämpft habe.