wöchentliche Kolumne

Lesen, Lachen und gute Gedanken machen!

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Es gibt Leute, die kennen auf Mallorca jeden Winkel, vom Ballermann bis hin zu den versteckten Fincas in den Bergen und saßen mindestens schon zigmal in der „Kathedrale der heiligen Maria“  in Palma und bewunderten die bunte Rosette in der Ostfront. Aber frag’ mal ob jene schon im „Schloss Braunfels“ und in dem zauberhaften Ort Braunfels aus dem 13. Jahrhundert oder im Kloster Altenberg waren. Waren sie mit Sicherheit nicht! Haben zwar schon mal davon gehört,  aber noch keine Zeit gefunden, sich im schönen Heimatland Hessen umzusehen. So’n Dreikäsehoch aus der Nachbarschaft meinte in Anbetracht dessen“, … is ja auch nich grade cool, wir fliegen immer nach Ibizza in den Ferien.“ Ich fliege zwar nicht regelmäßig auf die Balearen oder auf die Seychellen, aber alle diese vorgenannten Sehenswürdigkeiten hatte auch ich bis dato noch nicht leibhaftig gesehen.

Dafür hat man halt liebe Freunde, aus NRW, die hier zu Besuch kommen und einem das Heimatland mal näher bringen. Jene gönnten sich ein Wochenende bei uns und bei solcher Gelegenheit haben sie mich einfach mitgeschleppt. Das Wetter war traumhaft und so konnten wir alles wunderbar genießen. Beispielsweise ein Kaffeetrinken im Freien, wobei eine muntere Wespenschar allerdings so beharrlich Angriffe auf unseren Pflaumenkuchen startete, dass wir freiwillig das Innere des Cafes aufsuchten. Welch ein Tag! Als wir abends glücklich und erschöpft heimkamen, fühlte ich mich als hätte ich eine dreiwöchige Reise hinter mir. Doch dieses Hochgefühl wurde bald jäh getrübt, denn als ich alle Mitbringsel aus meiner Tasche packte, fehlte meine liebste, beste und teuerste Brille.

Das sind die berühmten Augenblicke, wo das Erinnerungsvermögen im Zeitraffertempo auf sämtliche Tagesereignisse gleichzeitig zurückgreifen  möchte. Und Gedankenblitze, wie: „wäre ich doch nur daheim geblieben“, leuchten für Nanosekunden auf. Und schon ist Panik angesagt. Doch der liebste Mann an meiner Seite holte mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück und beruhigte mich, “komm wir überlegen gemeinsam, wo du die Brille zuletzt benutzt hattest!“ Nun draußen um das „Schloss Braunfels“ herum, brauchte ich keine Brille, denn das märchenhafte Panorama, was stark an das berühmte Schloss Schwanstein erinnert,  konnte ich auch mit bloßem Auge erkennen und mich kaum von dem Anblick losreißen. Ein imposantes Bauwerk, was immer noch in Familienbesitz des Grafen von Oppersdorff ist und auch bewohnt wird.  Aber ja, da erinnerte ich  mich, dass ich in dem Familienmuseum, in dem ein üppiges Arsenal an Waffen der verschiedenen Epochen und eine umfangreiche Sammlung von Siegeln und Münzen zu betrachten ist, dass ich, um die Münzen besser zu erkennen, die Sehhilfe nutzte.

Na toll, da hätte ich beinah den Grafen anrufen müssen, ob er mal nach meiner Brille guckt. Aber das war nicht nötig, denn ganz klar erinnerte ich mich, die wertvollen Augengläser noch mal im „Kloster Altenberg“ benutzt zu haben, als ich voller Verwunderung lesen konnte, welch enge Verbindung mit diesem Kloster zu Marburg bestand. Denn im Jahr 1248 wurde Gertrud, die Tochter der heiligen Elisabeth von Thüringen, als zweijähriges Kind in dieses Kloster gebracht. Und  verblieb dort als Meisterin des Ordenskonvents 49 Jahre lang. Unter Gertrud erlebte das Kloster einen großen Aufschwung, nicht nur, dass in dieser Zeit die  imposante Klosterkirche gebaut wurde, so erwarb  man auch ausgedehnte Besitzungen an der Lahn, der Wetterau und im Hinterland u. a. den „Hülshof“, heute ein Ortsteil von Bad Endbach.  Während ich nun noch in meinen‚ Erinnerungen des Tages schwelgte, hielt mir der liebste Mann plötzlich die Brille unter die Nase. Er hatte noch einmal in meiner Jacke nachgeforscht und sie gefunden.  

Danke und danke für diesen wundervollen Tag in unserem wundersamen Hessenland.