wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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„Wer suchet, der findet“, dieser Satz klingt eigentlich sehr beruhigend, und suggeriert einem die Tatsache, wenn man sich tapfer auf die Suche macht, dass jene dann irgendwann erfolgreich sei.  Mit Sicherheit trifft diese Regel aber nur auf Leute zu, die geduldig Schritt für Schritt die Suche aufbauen, um dann strategisch die Geschichte abzuarbeiten. Wenn das zu Hause geschieht, tröstet man den Suchenden meist mit dem Satz: “Haus verliert nix!“ So gesehen kann Suche eine recht ruhige Angelegenheit bleiben. In dem Augenblick allerdings, wo ein knapper Zeitfaktor im Nacken zwackt, ändern sich die Modalitäten schlagartig.  Da greift die Schritt für Schritt Methode absolut nicht! Ich denke da an folgenden Fall: man steht grad an der Tür, denkt man sei früh genug unterwegs, denn bis zum Arzttermin bleibt noch eine gute Stunde, eine halbe Stunde braucht man für die Fahrt, also ist alles im grünen Bereich.

Du greifst zum Schlüsselbrett im vollen Bewusstsein, gleich jenen Autoschlüssel in deiner Handinnenfläche  zu spüren, doch du greifst ins Leere! Hallo, da ist blanke Panik angesagt. Postwendend bist du hellwach und fährst sämtliche Sensoren aus! Im Zeitraffertempo wird das Leben der letzten Tage zurückgespult, um den Moment zu erwischen, wo der Schlüssel zuletzt gebraucht wurde. In solchem Fall kommt es auch mal zu verbalen Übergriffen, wie: „Also wenn ich mich recht erinnere, hatte gar nicht ich, sondern du den Schlüssel zuletzt! Guck doch mal in deinen Jackentaschen nach.“ Der liebste Mann an meiner Seite, der oft, wenn bei mir das Temperament kleine Kapriolen schlägt, sich als sehr geduldig erweist, hat in diesem Fall auch gleich in allen Taschen nachgeschaut, doch ohne Erfolg!  Solch ein Vorgang nimmt natürlich ganz schön Zeit in Anspruch und so ratterte eine Minute nach der anderen runter.  Mein Nervenkostüm vibrierte förmlich  unter  der hochgradigen Anspannung, insbesondere in dem Augenblick, als der liebste Mann empfahl, „vielleicht guckst du mal in deiner Handtasche nach!“   

Zähneknirschend nahm ich die Tasche und kippte den gesamten Inhalt aus. Was da auf den Tisch polterte und herumkullerte, hätte zum Überleben in einer einsamen Berghütte bei Tiefschnee gereicht. Eine bunte Mischung präsentierte sich, bestehend aus vier einzelverpackten Keksen, die man als Schmankerl bei einem Cappuccino bekommt, eine Minitüte rote Gummibärchen vom letzten Apothekenbesuch und drei glänzende Kastanien vom Herbstspaziergang. Ferner wuselten zwei Brillen, mehrere Visitenkarten wirklich wichtiger Leute, die letzten Einkaufslisten und ein Schweizer Messer mit Korkenzieher, Pinzette und Skalpell umeinander. Den Höhepunkt aber bildete ein Himbeerbonbon, dessen Panade aus diversen Krümeln letzterer zerbröselter Kekse bestand und auf einem Brillenglas klebte.

In Anbetracht dessen, dass es sich hier um eine Damenhandtasche handelte, kullerten natürlich reichlich Schminkutensilien herum, wie: Wimperntusche, Eyeliner und Lippenstift. Mindestens drei angefangene und etwas zerknitterte  Tempotaschentücherpäckchen und zwei Streichholzbriefchen, eines von Sylt und eins aus München,  rundeten schließlich das ganze Arrangement ab.  In Notsituationen bestimmt ein hilfreiches Sammelsurium. Doch das war im Augenblick absolut nicht gefragt.  Das Objekt der Sehnsucht, jener Schlüssel, war weit und breit nicht zu entdecken. Zudem war von Pünktlichkeit, bei diesem Zeitverlust, bald keine Rede mehr.  Aber wie so oft, zeigte sich der liebste Mann an meiner Seite, als Retter in der Not, indem er nur kurz vorschlug, ich sollte mal in meine Manteltasche greifen, er meine, da hätte eben etwas geklappert. Und tatsächlich hielt ich ihn in der Hand, den Autoschlüssel! Wie gesagt, „wer suchet, der findet“, auch wenn er  dabei ein bisschen aus der Fassung gerät!