wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Was mich anbelangt, so kann ich von mir ruhigen Gewissens behaupten ich sei ein positiver Mensch,  kurzum eine Frohnatur.  Wenn beispielsweise das Wetter trüb und düster ist, habe ich immer  noch Sonne im Herzen. Das hört sich gut an und hat mich auch diese Einstellung stets gut durchs Leben getragen! Doch die Anhäufung schrecklicher Nachrichten der letzten Monate hat ganz schön mein Gute-Laune-Immage zerkratzt. 

Da siehst du Leute im Osten in ihren Wohnungen sitzen und frieren und meinst das ist ja weit weg! Doch Minuten später flattert dir eine Benachrichtigung deines Stromanbieters ins Haus und schon läuft es dir kalt den Rücken runter, weil du selbst nicht weißt, was dir in diesem Winter blüht. Solche Tatsachen zu verarbeiten, muss der Mensch erst lernen, der sich bis dahin in einer sogenannten Wohlstandsgesellschaft durchs Leben schaukeln ließ. Um dafür Kraft zu sammeln hilft erst einmal ordentlich viel Ablenkung, vielleicht ein gutes Buch, Musik  oder ein Treffen mit Freunden, oder in meinem Fall einfach mal in eine mollige Decke kuscheln und TV einschalten.

Weil wir seit neuestem allgemein schon mal die Heizung drosseln, war es ein wenig frisch im Wohnzimmer, deshalb gab es zur Belohnung noch einen heißen Grog obendrauf. Wer nun denkt, dies hätte mich glücklich durch den Abend getragen, der irrt. Beim ersten Film, den ich mir zu Gemüte führen wollte, handelte es sich um einen düsteren Krimi, in dem schlimmste Grausamkeiten einander abwechselten. Bereits nach wenigen Einstellungen schaltete ich auf einen anderen Sender um. Doch hier erwartete mich auch nichts erhebendes, da zielten zwei Personen mit Pistolen aufeinander. Bei der nächsten Umschaltung verfolgte ein Mann eine Frau in mörderischer Absicht durch den Wald. Kurzum alle diese Szenen voller Angst, Schrecken und in düsteren, dunklen Farben, die  meine Seele kaum erhellen konnten.

Deshalb zappte ich entschlossen weiter und das Wunder geschah! Ich landete plötzlich in einem satten Grün, was den Bildschirm voll ausfüllte. Darauf ein paar blaue und rote Punkte, die munter hin und herflitzten. Ich atmete auf, nach all dem Düsteren wollte ich erst einmal verweilen. Und siehe da ich verweilte gern, denn bei näherem Hinsehen handelte es sich um ein Fußballspiel Frankreich gegen den Gastgeber Katar.

Obwohl ich mir geschworen hatte, diese Weltmeisterschaft voll zu ignorieren, vonwegen all dem Hickhack und dem Drumherum, ließ ich mich verführen. Denn da wurde mal gelacht, kam infernalische Glückseligkeit auf, wenn ein Tor geschossen wurde. Hier umarmte man einander, wurde im Doppelpack geküsst, liebevoll auf die Schulter geklopft und gefreut und gejubelt zu Hunderten und Tausenden auf den Rängen. Selbst mich hat dieser Freudentaumel mitgerissen und ich frohlockte bei jedem Tor für Frankreich und hatte somit einen fröhlich erfüllten Abend. Bloß gut daß ich dies tat, schließlich bot unsere Mannschaft leider nur ein Trauerspiel. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben, denn die Jungs hatten sich redlich bemüht und es gibt demnächst mal wieder bessere Nachrichten: Beim Fußball, den Energiepreisen, dem Krieg, der Pandemie, dem Klimawandel und ..

Foto von Linda Wiegand