wöchentliche Kolumne

Kopie vom Original welches auch auf dem Buch „Plausch am Zaun“ ist! ( 350,– Euro )

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Trotz allem was uns da gerade ganz schön in Atem hält, gilt die Devise: das Leben geht weiter! Zumindest versucht jeder sein Bestes daraus zu machen. Zur Zeit beweisen uns Fritz und seine Frau Luise, dass man das schaffen kann. Ein zauberhaftes Paar! Er ein aufopfernder Familienvater, ohne jegliches Karrierestreben kümmert sich ausschließlich um die Familie und sorgt von früh bis spät für reichlich Nahrung, während Luise sich ganz auf die Einrichtung der Wohnung konzentriert und für ein kuscheliges Zuhause sorgt.

Die Rede ist von unseren Untermietern, ein junges Paar, was wieder mal vor der Haustür in unseren Efeu eingezogen ist. Ich schreibe bewusst wieder, denn schon im vergangenen Jahr hatten die beiden ihre Kinder bei uns direkt über der Haustür großgezogen. Fritz erkenne ich genau, denn ihn ziert neben dem linken Auge und am rechten Flügel je eine kleine weiße Feder.  Luise ist zwar einfarbig braun, aber sie hat das gewisse Etwas im Blick. Deshalb kann es nur Luise sein, denn auch bei den Schwarzdrosseln gibt es, wie bei den Schwänen, Treue fürs ganze Leben. Je vier Amselkinder haben beide in drei Brutgängen  letztes Jahr großgezogen.

Doch, dass es sich bei uns sehr gut wohnt, hat sich schnell in Drosselkreisen rumgesprochen. Langsam mausert sich nämlich unser Efeubusch zum Mehrfamilienhaus, ein zweites Drosselpärchen fliegt bereits täglich  mit reichlich Nistmaterial rein und raus. Auch ein Spatzenpaar hat mit lautem Gezwitscher eine Nische dort besetzt. Mit anderen Worten aufregende Zeiten kommen auf uns zu. Solange die Kinder friedlich in den Nestern hocken, ist es noch ganz niedlich alles zu beobachten, wie sich die gelb leuchtenden Vogelmäulchen den fütternden Eltern entgegenstrecken. Doch wenn die kleine Bande flügge wird, kann das eine stressige Angelegenheit werden, wenn dann mehrere Vogelbabys möglicherweise tapsig und unsicher auf dem Boden rumhüpfen, während Floki, Paule, Sammy, Ina und viele anderen Stubentiger aus der Nachbarschaft auf Lebendfutterstreife sind.

Da haben sich schon die wildesten Verfolgungsjagden abgespielt. Nicht die Katzen nach den Vögeln, eher die Jagd von uns nach dem Kater, der grad ein zappelndes Etwas im Maul davontragen wollte. Nicht zu beschreiben welcher vorwurfsvolle Blick dich aus eingeschüchterten Katzenaugen trifft, wenn du als Frauchen mit hysterischen Schreien verlangst: „Sofort spuckst du das Vögelchen aus!“ Na gut, wenn es dem häuslichen Frieden dient und einem dann nicht die Leckerchen gestrichen werden, öffnet man das Mäulchen und lässt dieses mickrige Federding fallen. Allein Frauchen wieder glücklich zu sehen, wenn sie aufatmend das kleine leicht nass gewordene, zerzauste Vögelchen aufhebt, als hätte sie einen hochkarätigen Diamanten gefunden. So etwas schaut man sich als Kater aus respektvoller Entfernung an, mit der Feststellung, dass Menschen wohl eine besondere Sorte Mäuse sind!

Ganz große Verwunderung ergreift solch einen  verhinderten Jäger  allerdings, wenn Frauchen, nachdem sie das Gefieder ein bisschen zurechtgezupft hat, selbiges Flatterding auch gleich wieder fliegen lässt. Wozu bitte,  wollte sie es dann erst so angestrengt haben??? Darüber tiefer nachzudenken überfordert einen schon leicht in die Jahre gekommenen Kater zur sonnigen Mittagstunde total, deshalb zieht man es vor ein gründliches Schläfchen zu halten. 

Ist das nicht idyllisch? Ja in Anbetracht dessen, dass unsereins weder zu einer Veranstaltung, noch zum Kaffeekränzchen oder Arzttermin flitzen muss, geraten die kleinen  Ereignisse zum Mittelpunkt des Seins.  Vielleicht gar kein schlechter Aspekt einfach das häusliche Umfeld mal richtig von Herzen zu genießen, besonders wenn man gesund bleibt und alle notwendigen Dinge im Hause hat!