wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Nach all dem bunten Trubel ist nun Fastenzeit bis Ostern angesagt.

Eine gute Einrichtung, da kann sich der Körper mal von all den Festtagsbraten der weihnachtlichen Familientreffen erholen. Ganz zu schweigen von den vielen „Kamelle“ und dem Fettgebäck der Karnevalssitzungen. Dabei ist Fasten ein weitgehender Begriff, die einen verzichten ganz aufs Essen, andere lassen einfach mal was weg, den Alkohol, die Süßigkeiten, oder geben gar das Rauchen auf. Ganz entschlossene Leute konzentrieren sich auf sogenanntes Basenfasten, dabei geht es absolut asketisch zu. Da lebt der Mensch nur von einer zarten Brühe, dünnem Tee und vielleicht gibt’s am Abend eine kleine Weinschorle, sonst nix, das hört sich nicht nur karg an, ist es auch! Ganz so streng möchte ich es allerdings nicht treiben. Deshalb habe ich mir einfach nur vorgenommen, eine Weile auf unser sonst recht üppiges Frühstück zu verzichten.

Dieser Verzicht ist von besonders hohem Wert, denn anstatt Brötchen mit Schinken oder meinem geliebten Camembert, koche ich mir seit ein paar Tagen jeden Morgen einen kleinen Topf mit Haferschleim, auch etwas vornehmer als „Porridge“ bekannt. Genau betrachtet ist dieses Hafersüppchen ein Urgestein der Ernährung, denn das Haferkorn birgt wichtige Nährstoffe, sättigende Kohlehydrate, Ballaststoffe, Zink, Magnesium und Mineralstoffe, wenn man das liest, könnte man meinen der Körper ist anschließend runderneuert. Wer da dran bleibt, hat mit Sicherheit bald einen positiven Erfolg, aber die Durchführung ist absolut trist und grau. Deshalb empfinde ich diese Änderung schon als eine ziemliche Last!

Wenn ich mein Wassersüppchen mit ein paar Krümeln Salz darüber, so still vor mich hin schlürfe, frage ich mich schon, warum habe ich mir das angetan? Denn während ich brav faste, schwelgt der liebste Man an meiner Seite in seinen knackig frischen Brötchen, mit leckerem Schinken und Käse und mit ordentlich duftendem Kaffee dazu! Mit anderen Worten er ist ein Fastenzeitverweigerer und prophezeit mir täglich in fester Überzeugung: „Allzu lange hältst du das sowieso nicht durch!“ Allein wegen dieser Häme bleibe ich stur bei meinem Haferbrei. Lediglich eine kleine Ausnahme habe ich mir gegönnt. Letzten Sonntag, ich hatte grad das Süppchen frisch angerührt und wollte den ersten Löffel zu Munde führen, da klopfte es an das Küchenfenster. „Hallo ist jemand daheim“, natürlich wo soll ich sein an einem Sonntagmorgen um kurz vor neun?

Es war meine Freundin Gisela, sie hatte Karten für eine Veranstaltung Konzert mit Frühstück und ihr Mann hatte sich mit einer Erkältung ins Bett zurückgezogen. Wie der Blitz war ich angezogen und abfahrbereit, der liebste Mann an meiner Seite traute seinen Augen kaum, so schnell waren wir verschwunden. Rückblickend kann ich nur sagen es war himmlisch. Vielleicht auch deshalb, weil ich nach so viel grauer Suppe mich mit dem schillernd bunten Frühstücksbuffett wie im Schlaraffenland fühlte. Herrschaften da wurde üppig aufgetischt: Brot, Brötchen in allen Variationen dazu Schinken, Lachs, Forellenfilet, Rührei mit Kräutern, Spiegelei mit Bacon, Salami und Käse aller Art, dazu Kaffee, Tee, Kakao alles was das Herz begehrt und dieser Duft! Tja und anschließend wartete dann dieses kleine Kammerkonzert auf uns.   Wie gesagt mucksmäuschenstill saßen wir da in kleiner Runde beieinander, allein mein Verdauungsapparat meinte sich an diesem Konzert zu beteiligen! Ganz schön peinlich, denn das ungewohnte Essen sorgte für ein beträchtliches Ziehen und deutlich hörbares Gluckern im Unterbauch.

Auch entwich mir hier und da ein kleiner Rülpser. Mit anderen Worten so richtig konnte ich mich auf das schöne Konzert nicht konzentrieren, denn mit ab und an zartem Hüsteln versuchte ich mein Bauchkonzert zu überspielen! Aber wie gesagt das war nur ein kleiner Ausflug! Jetzt sitze ich wieder bei meinem geliebten „Poridge“, grau wässrig mit ein bisschen Salz drüber und hoffe, dass ich dann, wenn ich wirklich bis Ostern durchhalte, mit der neu gewonnen Kraft gut in den Frühling starte.