wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Schönes, schmackhaftes Essen in fröhlicher Runde gehört zum Leben, wie guter Schlaf, oder ein ausgiebiger Spaziergang durch duftende Sommerwiesen, während leichter Wind durch die Haare weht.

Bei dieser romantischen Beschreibung, könnte man meinen, solch Essen für mehrere Personen zu veranstalten, sei ein Klacks, was man eben aus der Hüfte leiert. Ist es ja auch, wenn man weiß mit welchem Ziel man in der Küche steht. Mitunter sticht dich nämlich der Hafer und du möchtest dem Sternekoch im Fernsehen nacheifern. Oder zumindest ein Rezept aus dem letzten „perfekten Diner“ nachkochen. Wenn du in dieser Preisklasse ein Vier-Gänge-Menü hinzauberst, ist dir die Bewunderung der gesamten Tischrunde sicher. Und beim melodischen Klang der vielen „Aaaas“ und „Ooooos“ möchtest du dich als Küchenkünstler glatt vor deinem Publikum verneigen. Doch bis zu solch schillerndem Finale ist es ein weiter Weg.  Da gilt es als erstes die Speisenfolge auszuarbeiten. Ist dies geschehen, müssen sämtliche Zutaten herbeigeschafft werden und das kann zu einem riesig langen Einkaufszettel führen. Kein Problem, diese erst mal rein geistigen Vorbereitungen sind schnell festgehalten und notiert. Wenn alles hintereinander weg geschieht und du gleich mit dem Einkaufskorb losmarschierst, kann die Geschichte schnell in die Pötte kommen. Gefährlich wird es, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist und du eine Nacht darüber schläfst.

Bei allem Enthusiasmus für die Sterneküche, können sich ganz schnell üble Zweifel einschleichen, ob du trotz all der edlen Zutaten auch den Geschmacksnerv deiner Runde triffst. Denn es kühlt sehr schnell dein Mütchen, wenn irgendjemand im Rehragout mit Fenchelsoße herumstochert, weil er der Meinung ist, dass du mit dem Kreuzkümmel, zwar ein edles Gewürz, doch ein Nano zu krass umgegangen bist. In solch einem Fall bist du mit dir schnell einig, dass es weitaus einfacher wäre, Kartoffelsalat mit Buletten zu kredenzen, denn die schüttelt man wahrhaftig aus dem Ärmel. Aber darum ging es hier nicht, man wollte ja mal etwas ganz Außergewöhnliches servieren, sogar das Hutschenreuther abstauben und den Tisch festlich decken. Doch wie gesagt, um so etwas zu gestalten muss er erst mal rinnen von der Stirn, der Schweiß. So und ähnlich müssen die Gedanken meiner Freundin Gisela gewesen sein, als sie locker ankündigte, dass sie uns zu einem ganz besonderen Abend mit außergewöhnlichem Essen einladen möchte! Wie gesagt nach längerer Überlegung fühlte sie sich keinesfalls der Sterneküche gewachsen und Buletten erschienen ihr zu profan, deshalb hat sie uns alle zum Lieblingsitaliener eingeladen, da gab es die feinsten Sachen und wir haben ihn genossen, den Abend in völlig entspannter, fröhlicher Runde.