wöchentliche Kolumne

Bild von Brigitte Koischwitz

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Ratzfatz waren nach all dem Einkaufsgerenne die Feiertage wie im Flug vorbeigezogen.

Fast unmerklich reihten sich die bunte Weihnachtsbescherung, das gute Essen, oder faul auf dem Sofa ein paar Filme reinziehen, aneinander und schon hatte uns die Zeit ins Neue Jahr katapultiert.  Da drehst du dich um und vom alten Jahr ist nichts mehr zu sehen. Allein der Kalender erinnert mit vielen Eintragungen, dass da wohl irgendwas gewesen ist. Liebevoll blätterst du in den vollgekritzelten Seiten herum. Richtig hier waren wir eingeladen und dort ein Arzttermin, der lang ersehnt, dann doch noch mal verschoben wurde. Richtig, hier die Notiz für die große Gartenrenovierung. Neue Beete wurden angepflanzt mit Lavendel, Rosen und Rankhilfen aus Haselnussstangen. Mitunter recht vielversprechende Eintragungen wie: Dienstag: „Marie und Alex 14 Uhr Kaffeetrinken, bringen zwei Schubkarren Mist. Nicht vergessen, Tor hinten aufschließen!“ Mittwoch: „Baumarkt, Elemente abholen! Dran denken, passende Schrauben und Winkel!“ Donnerstag: „Schornsteinfeger 10.30!“ Freitag: “Vogelfutter bestellen, heute Karte in der Apotheke durchziehen für Medikamente!“ Diese Zeilen bleiben als Beweis für stinknormales Leben!

Aber du kannst hin und her blättern, es ist vorbei, kannst nur hoffen, dass teure Lebenszeit nicht für profane Dinge draufgegangen ist. Aber was ist schon profan? Also wenn ich denke, welche Glückseligkeit mich bewegte, als wir die Rosen in die Erde setzten, um jeden Tag zu sehen, wie sich eine Ranke nach der anderen langsam am Spalier hochgehangelte, dann war das schon gut erfülltes Leben. Besonders jetzt in diesem Moment, wenn ich nach draußen schaue und Dank des vielen Schnees, die kleinen Rosen grad nur mit ihren Köpfchen aus dem dichten Weiß herausragen. Tja, gleich neben dem alten Kalender, vollgekritzelt und mit vielen Eselsohren, dazu Büroklammern, die die kleinen Zettel mit den Terminen immer noch halten, liegt er da, der Neue Kalender. Fast unberührt lächelt er dich an, nur hier und da ein Eintrag, mit einer Menge leeren Fächern, bereit das kommende Leben und Treiben einzufangen. Wenn die vielen Wünsche für das Neue Jahr in Erfüllung gehen, kann es nur gut werden. Besonders wenn wir noch einmal eine Karre Mist geliefert kriegen, dann klappt es auch mit den Beeten. Denn wenn auch jetzt noch alles unter weißer Pracht versteckt ist, wird es bald grünen und blühen wie in alten Zeiten. Ganz bestimmt an einem Dienstag ist dann zu lesen: „Tomaten säen und Gurken pflanzen!“